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Ola und ihr Bruder

Daten

72 Min., Polen 2016

REGIE: Anna Zamecka
DREHBUCH: n.n.

KAMERA: Małgorzata Szyłak

TON: Anna Rok, Katarzyna Szczerba

SCHNITT: Agnieszka Glińska, Anna Zamecka

 

 

Regie: Anna Zamecka

Kinostart: n.n.

Eine Vierzehnjährige muss in den Überresten einer zerstörten Familie Mutter, Vater und Schwester sein. Der alkolkranke Vater ist eigentlich nur noch irgendwie anwesend, während Ola den Haushalt führt und vor allem ihren offensichtlich psychisch gestörten Bruder versorgt.

 

Was Regisseurin Anna Zamecka da in ihrem 2016 fertiggestellten Dokumentarfilm drehen konnte und durfte ist eindringlich und über weite Strecken überzeugender als so mancher Spielfilm, der sich ähnlichen Sujets nähert. Unfassbar, wie nah sie an ihre Protagonisten kam, man spürt eigentlich nie, dass ein Kamerateam mit in den Situationen dabei ist.

 

Die absolut katastrophale Situation der Familie, der trinkende Vater, die Mutter, die ihn und zwei gemeinsame Kinder verlassen hat und inzwischen ein weiteres Kind hat, all das sind Umstände, in denen man keine Kindheit mehr hat. Oder fast keine. Die Regisseurin hat einige wenige Momente, etwa eine Tanzparty der Schüler des Ortes, eingefangen, in denen man ahnt, wie die Jugend von Ola eigentlich aussehen könnte. Ihr schüchtern und zugleich unbefangenes Lachen während sie mit ihren Freundinnen über die Jungs tuschelt gehört zu den wenigen Momenten in ihrem Alltag, in denen sie das sein darf, was sie eigentlich ist: Ein vierzehnjähriges Mädchen.

 

Was sie ansonsten lebt, ist bewunderns,- und beklagenswert zugleich, unfassbar welche Stärke dieses Mädchen aufbringt, den Anschein von Normalität in völigem Chaos aufrecht zu erhalten. Selbst im Gespräch mit Sozialbetreuern bleibt sie souverän und behält ihren Schmerz für sich.

 

Als dann noch der Versuch scheitert, dass die Mutter samt Baby wieder in die Familie zurückkehrt, bleibt nicht mehr viel Hoffnung. Ganz wie in der ersten Szene des Filmes sortiert Ola ihrem Bruder wieder die überflüssigen Bücher aus der Schultasche, damit er nicht zu viel unnötig in die Schule schleppen muss. Ein Sinnbild für die nicht zu unauflösbaren Schleifen, die sich im Alltag dieses Mädchens zu übergroßen Zwängen entwickelt haben.

 

Bei all dem ging die Regisseurin mit großem Respekt gegenüber ihren Protagonisten vor. Ein starker Film.

 

Gesehen von Mathias Allary